Perspektive

Perspektive
erzeugt Klarheit
in der Betrachtung.

Marian Hacke, Jahrgang 1974

Der schmale Grad...

… zwischen nützlich und zusätzlicher Aufwand findet sich nicht zuletzt in der Küche. Die Rede ist von Küchenmaschinen. Mal nehmen sie Arbeit ab, mal schaffen sie welche. Kosten sind damit auch verbunden – und Platzbedarf besteht.

Wer wünscht sich nicht ein tolles Gerät, das einem viel Arbeit in der Küche abnimmt? Eine Maschine die rührt und kocht und brät und schnippelt. Wer da an den Thermomix denkt, irrt nicht gänzlich. Für mich aber nicht die erste Wahl.

Ich erprobte die Krups Prep & Cook, eine grundsätzlich solide Maschine, die zu ihrer Zeit zumindest gute Grundfunktionen mitbrachte. Mehr braucht es wohl nicht, könnte man meinen, doch sie ist etwas schwach auf der Brust. Bei Pizzateig kommt man schon an die Grenzen.

Die Krups Cook 4 Me ist ideal zum Gulasch kochen. Es ist ein Schnellkochtopf ohne Zeitersparnis. Kein Rühren, aber eine Handvoll Rezepte auf dem Display. Zuletzt lief Kondenswasser in den Stromanschluss und verlangte eine Reparatur.

Es musste etwas Ordentliches her. Da bot sich mir die Kenwood Cooking Chef XL Connect an. Ein richtiges Monstrum, das beim Grundgerät äußerst solide erscheint, jedoch beim Zubehör immer fragiler wird. Extra Zubehör geht ins Geld und erreicht Preise eigenständig Geräte.

Die überdimensionalen Teile des Grundgerätes und das viele Zubehör brauchen Platz. Nicht alles darf in die Spülmaschine bzw. passt in diese. Ein schönes Gerät, muss man schon sagen. Der über der Schüssel ragende Arm der Maschine ist genial für Teige, aber ein Wasserfänger beim Kochen. Ständig läuft Kondenswasser beim Hochklappen an der Maschine runter; die Teile sind selbst also dann heiß und nass. Elegant geht anders.

Der Bosch Cookit sollte der Kenwood den Rang ablaufen, doch beim Auspacken konnte man die begleitende App nicht im Playstore Laden und der Cookit ging retour. Kaum bei der Post, fand sich aber auch schon wieder die App auf dem Smartphone an und ich gab dem Bosch Cookit eine ehrliche Chance. Und ich muss sagen, ich war begeistert. Er matscht nicht einfach alles klein, hat eine ebene Bratfläche und viel gleichwertiges, solides Zubehör. Also der Cookit ist vom Gehäuse ein Plastikbomber, dafür sind aber die einzelnen Zubehörteile nicht weniger robust. Die Schüssel ist hingegen aus Metall und richtig schwer. Der Deckel ist ideal für Geduld-/Geschicklichkeitsspielfanatiker; will heißen, dass es zwar gelingt, aber viele einzelne Teile daran montiert sein wollen. Der Thermomix hingegen, hierbei das Modell TM6, zeichnet sich durch einen wirklich primitiven Deckel aus. Sowas lohnt sich beim Abspülen. Und wenn man nun alle drei Geräte vergleicht, dann ist die Kenwood perfekt für Hobbybäcker mit Ambition zum Kochen; wobei das Gulaschrühren auch nicht perfekt gelingt. Der Bosch Cookit lässt einem nicht nur ein Steak anbraten, nein, man kann sein Gulasch auch selber rühren. In meinen Augen die ideale Lösung für Haushalte, die gänzlich auf den Herd verzichten wollen und sich dafür Töpfe und Pfannen sparen wollen. Der TM6 von Vorwerk nimmt sich da eher zur Seite, lässt Herd auch Herd sein und arbeitet zu, wenn das Rezept nicht vollends im Mixbecher zubereitet werden kann. Einfaches Abspülen, zügig mal etwas kleinschnippeln lassen oder mal einen Pizzateig nebenher, das ist praktisch in jedem vollausgestattetem Haushalt. Zur Not kann der Thermomix auch Puderzucker oder Mehl kleinheckseln, für Pesto ist es mir zu fein. Im Gegensatz zur Cooking Chef braucht der Thermomix kein Zubehör, wenn man z. B. mal Gewürze mixen möchte.

War da nicht noch etwas mit geführten Kochen? Es ist ganz nett, wenn Einstellungen bei der Cooking Chef übertragen werden können, während diese beim Cookit und dem Thermomix sogar schon unmittelbar auf der Maschine zur Verfügung stehen. Eigene Rezepte sind bei allen Geräten möglich einzupflegen, doch beim TM6 sehen diese anders aus als jene von Vorwerk. Wiegen können die letzten drei Geräte außerdem ausreichend exakt, was dazu führt, dass man die Zutaten in der Regel direkt in die Schüssel gibt. Das erfordert schon Präzision. Meine Tomatensuppe aus dem Thermomix enthielt stets zu viel Wein.

Und dann kam der TM7. Leiser, isolierter, stylisher, mit größerem Display schönerem Layout. Hier sehen auch selbsterstellte Rezepte aus wie jene original von Vorwerk. Unschön ist aber nun der Mehraufwand beim Abtrocknen. Während der Mixtopfdeckel des TM6 so schön einfach war, gleicht jener des TM7 einem komplexen System, dass nur scheinbar dazu dient, möglichst viel Wasser überall halt zu verleihen. Persönlich nervte es auch zusehends, dass man den Topf nicht einfach mal schnell auf die Maschine setzen kann, nein, es muss exakt der Punkt gefunden werden, um es aufzusetzen. Herrlich. Das ist dann so der Punkt, wo ich mir denke: Ein Kochlöffel und eine Schüssel, zwei bemehlte Hände und ein Teig, ein ordentliches Messer und ein Brett, ruckzuck gespült und keine Abokosten für tausende Rezepte. Ist das nicht eine schöne einfache Welt? Bringen wir es auf den Punkt: Küchenmaschinen können helfen, wenn man etwas nicht mit den eigenen Händen erledigen kann. Braucht man größere Mengen Geschnittenes, öfter mal Teige oder Suppen? Es war für mich eine angenehme Erfahrung, Rezepte für die Geräte selbst umzuschreiben, mal was Neues zu versuchen. Mal das Gerät machen lassen. Stop, da stimmt etwas nicht. Es ist nicht so, dass man nebenher Zeit für etwas anderes hat, denn man muss beim Gerät bleiben. Beim Kneten kann einem eine Maschine von der Arbeitsplatte wandern. Beim beenden des Bratens, brät es noch weiter, wenn man nicht zum Gerät eilt. Schnell mal eine Suppe aufzuwärmen bedarf nicht der höchsten Gradzahl, wenn es nicht Überkochen soll. Immer muss etwas mit einem Spatel runtergeschoben werden. Es ist nicht unbedingt besser, es ist nur vieles anders – und das kann Spaß machen.

Und weil einige sagen, sie bräuchten keinen Thermomix. Ich kann auch ohne Fahrrad zum nächsten Bahnhof laufen, es kann aber schöner sein, wenn man eines hat.

03.10.2026

Nationalstolz

Wenn bei internationalen Sportveranstaltungen so etwas wie "Nationalstolz" aufflammt, sind Jene nicht weit, die dies als außerordentlich gefährlich anprangern. Da wird Nationalismus mit Chauvinismus gleichgestellt und Fähnchenschwenken wird zur sinnbildlichen Vorstufe des Völkermords. Dürfen wir uns in Deutschland nicht zu unserem Land bekennen?

Und da beginnt es schon in der Frage zu rumoren, wer sind "wir" und wer darf "wir" verwenden? Grenzt es bereits aus? Ist das nicht bereits Faschismus?

Ich denke, wenn man zurück zu einer Definition von "Volk" geht und darunter ein brüderliches Zusammenhalten versteht, gibt man damit Mitmenschen die Möglichkeit sich in den Zusammenschluss einzuhaken. Gegner einer nationalen Identität werden sich daher nicht einhaken, obwohl jene nicht müde werden, gegen die Spaltung unserer Gesellschaft, ausgehend von Personengruppen mit Nationalgefühl, zu hetzen.

Statt wie Angela Merkel eine Deutschlandfahne einem Parteikollegen abzunehmen und diese aus den Geschehen zu manövrieren, wie Linksexremisten auf eine Deutschlandfahne zu pissen oder eine solche gar anzuzünden, sollten wir begreifen, dass diese Fahne eh und je für unser deutsches Handeln steht. Auch im Hier und Jetzt.

Betrachten wir es doch mal so: Wer Sympathien für sein Land und dessen Bürger empfindet, wird auch ganz anders damit umgehen, als jemand, der dieses Land hasst. Es fängt schon mit Kleinigkeiten an. Ob man sein Umfeld sauber hält oder mutwillig zerstört, ob man für andere einsteht oder wegsieht, wenn jemand Hilfe braucht. Ich denke jeder wird seine Position in der Gesellschaft hierbei erkennen. Persönlich halte ich nichts von Vandalismus, weil die Zerstörung meines Lebensraumes respektlos ist. Zum Nationalstolz zählt aber auch der Respekt gegenüber der Nation. Nicht nur im Ausland sollte man sich rücksichtsvoll verhalten, von daher ist es im Inland nicht gleich chovinistisch, wenn man positive Emotionen gegenüber unserem Land ausdrückt. Zugegeben sind wir in Deutschland von der Vergangenheit dahingegen geradezu massiv geprägt worden.

Wie oft hört man Sätze, dass man andere nur dann zu lieben vermag, wenn man sich selbst auch liebt? Und wer etwas für sich tut, zerstört nicht automatisch andere. Das können wir trennen. Wer ins Fitnessstudio zum Trainieren geht, ist nicht angehalten neudeutsch Bodyshaming zu praktizieren. Wer sein Land liebt, ist nicht verpflichtet das Ausland und deren Bürger zu hassen. Das geht. In der Regel erleben wir andere Staaten, wie sie mit sich selbst im Reinen sind und haben die Möglichkeit diese Muster für uns selbst zu übernehmen. "Liebe deine Nächsten wie dich selbst", wird auf einmal nicht zerstörerisch, Hass gewinnt nicht die Oberhand.

Liebe ohne Zerstörung ist kein Wagnis. Nationalgefühl ist nicht der Weg zu Hass und Verfolgung; Ideologie kann dies unter bestimmten Voraussetzung im Namen der Nation aber sehr wohl. Das können wir unterscheiden.

27.09.2026

Demokratie

Demokratie kann in ihrer Bedeutung eine Fülle an Werte und Mechanismen beinhalten. Von der ursprünglichen Bedeutung abkommend, wird es als höchstes Gut unserer Gesellschaft gepriesen. Was spricht dafür? Was spricht dagegen?

Reduziert man die Demokratie auf die Regierungsform, so trägt der Bürger die Verantwortung an der Regierungsbildung und den daraus resultierenden Beschlüssen. Im Prinzip sind jedoch nur Letztere entscheidend für die Entwicklung in einem Staat. Mit anderen Worten: Es braucht keine Demokratie für gute Gesetze. Das Problem an der Sache ist hierbei ausschließlich der Umgang mit einer Opposition. Kein Staat kann sich einen Aufstand leisten. Selbst Wenn ein Machthaber für Frieden, Wohlstand, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit sorgt, so wird es auch immer Bürger geben, die mit der Regierung nicht einverstanden sein werden. Und wenn es auch durch Einflüsse von Außen geschieht, es finden sich Aufwiegler, die nicht toleriert werden dürfen. Folglich kann man eine solche Regierung nicht vollumfänglich akzeptabel finden.

In einer Demokratie vermittelt die Regierungs- und Beschlussbildung eine gerechte Mitsprache und bietet auch einer Opposition Raum für Standpunkte. Doch wirkt es wenig rechtsstaatlich, wenn die Spielregeln zu ungunsten von Parteien und Kandidaten abgeändert werden. Förderprogramme für Demokratie auf der einen Seite und Abschottungsgebaren auf der anderen, tragen nicht zum Vertrauen in die Regierung bei.

In der Bundesrepublik Deutschland hat sich die Parteienlandschaft in einer Art und Weise entwickelt, dass bisherige Regierungsparteien kaum Unterschiede erkennen lassen, zugleich sie sich in einer gemeinsamen Koalition selten einigen können. Das lässt den Blick auf bisherige Oppositionsparteien schweifen, die Tür und Tor für fragwürdige Gestalten offenhalten.

Als Wähler kann man eine Partei mit ihren Zielen entweder als Ganzes betrachten oder man nimmt deren Mitglieder und Kandidaten als eigenständig agierende und mehr oder weniger die Partei repräsentierende Persönlichkeiten da. Letzteres ist aber das entscheidende, denn  Parteiprogramme sind wie das Papier geduldig und spiegelt nicht zwangsläufig das Ansinnen einzelner Parteimitglieder wieder. Gewählte Kandidaten pflegen hingegen mitunter ihr eigenes Ansinnen zu vertreten. Darauf hinuntergebrochen braucht es für Wähler Einblick in Strukturen und Gedanken, die öffentliche Medien kaum authentisch vermitteln.

Das Vertrauen in die Demokratie ist nicht zerstört, aber die Möglichkeiten sind wenig hoffnungsvoll. Unerfüllte Versprechen zum einen und unerfüllbare Versprechen zum anderen, unglaubwürdige Persönlichkeiten auf der einen Seite und glaubwürdige, medial abgekanzelte auf der anderen. Die Geschichte lehrt, dass Bauchgefühl und Vertrauen schnell getäuscht sein können. Nehmen wir unsere Mündigkeit wahr und tauchen ein in eine Welt voller Widersprüche und Hoffnungen, auf dass das Selbstbild unserer Gesellschaft ungezwängt repräsentiert wird und wirksam in Entscheidungen einfließen kann!

31.08.2026

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